Ausblick auf das 38. Filmfest Dresden: Sonderprogramme zum Schwerpunkt „Work in Progress“


Neuer Einreich-Rekord: 3.800 Kurzfilme // Erneut finanziell angespannte Lage // Diskurs Europa: Lettland // Regionaler Fokus mit Filmen aus der Sammlung von Ernst Hirsch // 20 Jahre Fokus Québec

Vom 14. bis 19. April 2026 wird die sächsische Landeshauptstadt erneut zum Anziehungspunkt für Liebhaber:innen der kurzen Filmform. Für die 38. Ausgabe des Filmfest Dresden wurden mit 3.800 Einreichungen so viele Filme wie nie zuvor verzeichnet – ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahr (2025: 3.400). Noch bevor die Sichtungskommissionen die Beiträge für den Nationalen, Internationalen und Mitteldeutschen Wettbewerb auswählen, gibt das Festival einen ersten Einblick in seinen diesjährigen Themenschwerpunkt der Sonderprogramme abseits der Wettbewerbe: Unter dem Titel „Work in Progress“ stehen Debatten um Arbeitsgerechtigkeit, Solidarität und die Zukunft der Arbeit im Fokus. Zugleich bleibt die finanzielle Situation des Filmfests weiterhin angespannt.

Die Festivalleiterin Anne Gaschütz:

Das Filmfest Dresden steht erneut vor einem herausfordernden Jahr. Die Kosten für Produktion und Durchführung steigen seit Jahren kontinuierlich – insbesondere infolge der anhaltenden Inflation –, während die Fördermittel nicht nur nicht mitwachsen, sondern insgesamt weiter rückläufig sind. Bereits 2025 wurden uns erhebliche Mittel gestrichen, und auch in diesem Jahr sind wir erneut von der Haushaltssperre der Stadt Dresden betroffen, was einer Kürzung von zehn Prozent entspricht. Diese Situation betrifft im Übrigen einen Großteil der freien Szene in Dresden und zieht sich ebenso durch die Bereiche Bildung, Jugend und Soziales.

Gleichzeitig sehen wir uns mit deutlichen Kostensteigerungen konfrontiert, etwa bei Mieten für Technik, Spielstätten, Projektion und weiteren Sachkosten. Eine inflationsgerechte Anpassung der Honorare und Löhne ist uns bereits seit Jahren nicht mehr möglich – mit fatalen Folgen für eine Branche, in der viele Macher:innen ohnehin unter prekären Bedingungen und nahe am Existenzminimum arbeiten.

Vor diesem Hintergrund ist es für uns höchste Zeit, nach dem letztjährigen breit angelegten Schwerpunkt ‚Solidarisiert Euch!‘ nun die alles bestimmende Arbeitswelt in den Fokus zu rücken.“

Das vollständige Programm der 38. Festivalausgabe wird im Rahmen der Programm-Pressekonferenz am 24. März 2026 im Filmtheater Schauburg Dresden präsentiert.

Fokus-Thema „Work in Progress“

Einen ersten Vorgeschmack auf die 38. Ausgabe geben die Sonderprogramme, die sich dem Thema Arbeit widmen. Als zweiter Teil der bis 2027 angelegten Trilogie „Generationenwandel – Neue Gerechtigkeit“ versteht sich der diesjährige Schwerpunkt als konsequente Weiterführung des letztjährigen Fokus auf Solidarität und lädt dazu ein, Fragen von Arbeitsgerechtigkeit, sozialem Zusammenhalt und der Zukunft der Arbeit neu zu verhandeln. Arbeit erscheint dabei als zentrale Voraussetzung für Selbstachtung, gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Mitwirkung – prekäre und ungerechte Arbeitsverhältnisse hingegen untergraben diese Grundlagen und verschärfen soziale Spannungen.

In einer Arbeitswelt im Umbruch, geprägt von Digitalisierung, Prekarisierung und globalen Transformationen, machen Filme diese oft verborgenen Realitäten sichtbar. Kurzfilme sind kompakt, pointiert und daher für das Thema besonders wirksam: Sie zeigen Entfremdung, Machtstrukturen und alternative Perspektiven – und eröffnen so neue Räume für gesellschaftliche Diskussionen. Filmfestivals nehmen diesen kulturellen und demokratischen Auftrag bewusst auf.

Im Rahmen des Schwerpunkts kooperiert das Filmfest bereits zum dritten Mal mit dem Schaufler Lab@TU Dresden, der Forschungs- und Austauschplattform der TU Dresden an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technologie. In einem von vier Schwerpunktprogrammen setzen sie sich gemeinsam mit den Herausforderungen der Globalisierung und den Veränderungen heutiger Arbeitswelten auseinander. Außerdem zeigen sie, wie Big Data und digitale Technologien unsere Beziehungen, Politik, Wissenschaft und Umwelt nachhaltig prägen.

Auch das neue Kampagnen-Motiv der Künstlerin Keiko Hoshino setzt sich mit dem Fokus-Thema auseinander: Wie ein Bauplan für eine alternative Ordnung visualisiert es Arbeit als offenen, fragilen und gestaltbaren Zustand – eine Welt im Werden, in der alles möglich ist.

Diskurs Europa: Lettland

In diesem Jahr richtet das Filmfest Dresden im Rahmen des Diskurs Europa den Fokus mit zwei Programmen auf die kreative Kraft und visuelle Originalität des lettischen Filmschaffens.

Als Gastkuratorin hat Lauma Kaudzīte, Programmleiterin für Kurzfilm beim Riga International Film Festival, für das erste Diskurs-Programm eine genre- und gattungsübergreifende Auswahl aktueller lettischer Kurzfilme zusammengestellt. Die Arbeiten kreisen um Liebe, Transformation, Fragen von Identität und Erinnerung sowie um die flüchtige Schönheit des Alltags und verbinden dabei auf spielerische Weise traditionelle mit surrealen Bildsprachen.

Ergänzend dazu präsentieren die Kurator:innen Dr. Elīna Reitere und Dr. Claus Löser in Zusammenarbeit mit Sanita Grīna vom Lettischen Nationalarchiv in Riga im zweiten Diskurs-Programm eine Auswahl von Kurzfilmen aus der Spätphase der Sowjetunion. Die mutigen Werke aus Amateurfilmzirkeln, entstanden am Rand der Legalität und jenseits des offiziellen Filmschaffens, erkunden neue ästhetische und inhaltliche Wege und erweitern die Grenzen des sozialistischen Realismus.

Regionaler Fokus: SAVE präsentiert Filme aus der Sammlung von Ernst Hirsch

Auch beim 38. Filmfest Dresden verantworten die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) und der Filmverband Sachsen im Rahmen ihres gemeinsamen Digitalisierungsprogramms SAVE erneut den „Regionalen Fokus“. Anlässlich des 90. Geburtstags des Kameramanns und Dokumentarfilmregisseurs Ernst Hirsch präsentiert das Filmfest ausgewählte Ausschnitte aus seinem umfangreichen privaten Archiv historischer Filmaufnahmen – live kommentiert von Ernst Hirsch selbst.

20 Jahre Fokus Québec

Ein weiteres Jubiläum begeht das Filmfest mit dem diesjährigen Fokus Québec, der bereits zum 20. Mal das außergewöhnliche Filmschaffen der frankophonen kanadischen Provinz würdigt. Als kreative Filmregion mit unverwechselbarer Identität vereint Québec experimentelle, dokumentarische und erzählerische Formen und steht exemplarisch für den transatlantischen Austausch. Der Fokus Québec hat sich längst als Publikumsliebling etabliert und wird sein Jubiläum in diesem Jahr mit internationalen Gästen feiern.

Start der Akkreditierung

Ab 19. Januar können sich Pressevertreter:innen für das 38. Filmfest Dresden zu Zwecken der Berichterstattung akkreditieren.

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