Preisträger & Jurybegründungen 2010

Filmförderpreis der Kunstministerin - Nationaler Wettbewerb

  
  
ICH BIN'S HELMUT von Nicolas Steiner. Was bleibt von einem Leben, wenn man den Ballast des Alltags entfernt? Das zeigt uns der Regisseur in seinem Film. Eindrucksvoll, konsequent und immer wieder überraschend dekonstruiert er die Welt seines Protagonisten. Ohne das Schielen auf die Vermarktungsfähigkeit seines Werkes überzeugt er mit einem unkonventionellen filmischen Ansatz, den wir mit dem Förderpreis unterstützen möchten.
       


Goldener Reiter Animationsfilm - Internationaler Wettbewerb

  
  
PARADE von Pierre-Emmanuel Lyet. Eine kleine Geschichte mit einfachen Mitteln erzählt. Farben und  Formen kommen auf minimalistische Weise zusammen und erzählen mit  sichtbaren und unsichtbaren Elementen. Der Betrachter wird aufgefordert sich mit seiner eigenen Vorstellungskraft auf diese Welt einzulassen. Clever und mit Leichtigkeit präsentiert der Regisseur hier sein Regiedebüt.
       


Goldener Reiter Animationsfilm - Nationaler Wettbewerb


  
  
LUMO von Antje Heyn. Der Film thematisiert den Prozess des Trickfilmzeichnens, des Animierens, des Lebendigmachens einer Figur, einer Szene, die Herstellung der filmischen Illusion, zeigt das Denken und Erzählen mit dem Stift, wie es nur der Trickfilm kann, jenseits aufwändiger Technik und Dramaturgie, ohne große Gesten, charmant und rührend, mit feinem Humor, und doch präzise beobachtet, fein ausgewogen und auf dem Punkt. Jede Bewegung sitzt, kein Strich zu viel, keiner zu wenig. Er ist das umwerfend Einfache, das so schwer zu machen ist.
     


Goldener Reiter Kurzspielfilm - Internationaler Wettbewerb

  
  
MOJA BIEDNA GLOWA von Adrian Panek. Eine Beerdigung verändert das Leben von Vater und Sohn radikal. Der Vater bricht zusammen und verweigert sich. Seinem halbwüchsigen Sohn bleibt nichts anderes übrig als für beide Verantwortung zu übernehmen. Der Regisseur und Drehbuchautor dieses herausragenden Kurzfilms kennt seine filmischen Mittel genau. Von der ersten Einstellung an besticht der Film durch seine präzise Kamera-, und Schauspielführung. Jede noch so kleine Geste der wunderbaren Darsteller gerät zu einem existenziellen Drama, aber nicht ohne ironische Momente! Ein filmischer Genuss an dem Kristof Kieslowski (Dekalog) seine Freude hätte!
       


Goldener Reiter Kurzspielfilm - Nationaler Wettbewerb

  
  
VATERTAG von Olaf Held. Der Film erzählt nicht nur eine Episode aus dem Leben eines Trennungskindes, sondern auch die damit verknüpfte hinreißend poetische Geschichte eines Teddybären. Der Film unterscheidet sich wohltuend von manchen auf Massenkonsum zielenden Produktionen, die eine totale Vereinnahmung des Betrachters anstreben.

       


ARTE Kurzfilmpreis & Goldener Reiter des Publikums - Internationaler Wettbewerb

  
   
CROSSING von Silvana Aguirre Zegarra. Der Gewinnerfilm ist eine bezaubernde Kurzgeschichte über die erste Liebe. Sensibel und klug erzählt, wecken der halbblinde Junge und das charmante lustige Mädchen die Gefühle der Betrachter mit einfachen Blicken und Gesten. Die begabten Jungdarsteller haben in diesem Film wenig Text, denn hier spielt das „Sehen können“ oder „Gesehen werden“ die Hauptrolle und die Kamera folgt einfühlsam ihrer ersten Begegnung . Als Symbol zu sehen, „Liebe macht nicht blind“, freuen wir uns, den diesjährigen ARTE-Kurzfilmpreis an diesen Film zu verleihen und gratulieren der Regisseurin und ihrem Team.

       


Goldener Reiter des Publikums - Nationaler Wettbewerb


    RUMMEL von Benjamin Teske.

     


Goldener Reiter KlangMusikPreis - Internationaler & Nationaler Wettbewerb

  
   TUESDAY von Shirley Petchprapa. Der soundtrack des Films Tuesday lässt auf düster-beklemmende Weise am Innenleben des Protagonisten teilhaben und verfolgt diesen Ansatz konsequent bis zum Schluss.
       

 

  
   MR. FOLEY von Mike Ahern & Enda Loughman. Der zweite Film bezieht seinen Witz aus dem ins filmische Geschehen integrierten sounddesign, das somit selbst zum Thema des Filmes wird.
       


Drematrix-Förderpreis - Nationaler Wettbewerb

  
   EGODYSTON von Xenia Lesniewski. Gestalterisch überzeugend gelingt der Filmemacherin die künstlerische Darstellung der Ich-Störung, auf die sie im Titel hinweist. Die Verbindung dieser Experimentierfreude und Radikalität mit modernster Technologie birgt die Möglichkeit, für den Bereich des Motion Capturing neue gestalterische Wege zu entdecken und interessante Positionen zu beziehen. Darum möchten wir den Drematrix-Förderpreis an diesen Film vergeben.

       


Kurzfilmpreis der deutschen Filmkritik 2009

  
   HEIMSPIEL von Bogdana Vera Lorenz. Ein Mann, der Vorbild sein sollte, prügelt sich in seiner Freizeit. Zum Spaß, für den Kick. Dieser bemerkenswerte Kurzfilm konfrontiert uns mit einem unbequemen, unheimlichen Phänomen: Brutalität, die Selbstzweck ist – eine Gewalt, bei der die üblichen sozialkritischen Erklärungsmuster nicht greifen. Kühl und distanziert, zugleich wuchtig und roh zwingt der Film den Zuschauer aus seiner Deckung, weil er nicht nach dem Woher der Gewalt fragt, sondern nach dem Wohin. Er greift an, bleibt ambivalent – und das mit einem Hauptdarsteller, der in seiner Abgründigkeit als Ethiklehrer und Hooligan voll trifft.

       


Lobende Erwähnungen - Nationaler Wettbewerb

  
   SCHATTENSPRUNG von Olivia Milz. Ein surrealer, symbolischer, liebevoll bis ins Detail gestalteter Film, der durch seine dichte Atmosphäre beeindruckt.

       

 

  
   PESCHI UND POSCHI von Jens Rosemann und Max Rademann. Entgegen dem Trend zur globalen Verständlichkeit und Verwertbarkeit ein Film, der sich gnadenlos konsequent, naiv und mit großem Herz zur Regionalkultur bekennt und gleichzeitig die große weite Welt in die Handlung einbezieht.

       


Lobende Erwähnungen - Internationaler Wettbewerb

  
   PHOTOGRAPH OF JESUS von Laurie Hill. Ein Film, den wir von Anfang an mochten, mit seinem inspirierendem Konzept, seiner umfangreichen Recherche und hervorragenden filmischen Umsetzung. Er führt den Betrachter in eine Welt der Bilder und erzeugt neue visuelle Landschaften voller Humor.

       

 

  
   M von Felix Dufour-Laperriere. Diesem Film liegt ein romantisches Konzept zu Grunde: Auf kleinen Details aufbauend legen sich pulsierende Animationen  in einer nahezu industriellen Kakaphonie rhythmisch übereinander. Wir möchten diesem Film und seinem Regisseur für die bestechende Visualisierung und geradezu telepathische Zusammenarbeit mit dem Komponisten loben.

       

 

  
   KIDS MIGHT FLY von Alex Taylor. Dieser Film vermittelt auf charmante Weise in wenigen Minuten einen Einblick in das authentische Lebensgefühl von Kindern und Jugendlichen im Osten Londons, ohne zu werten.


       

 

  
   VIVRE ENCORE UN PEU von David Lambert. Der Film beginnt mit zwei Männer in einem Bett. Nicht jedermanns Geschmack, dachten wir. Da hatten wir uns aber getäuscht. Mit Gespür für das richtige Timing und einer beindruckenden Schauspielleistung konfrontiert uns dieser hochemotionale Film mit einem plötzlichen Verlust. Wir freuen uns auf weitere Filme dieses begabten jungen Regisseurs!