28. FILMFEST DRESDEN Schwerpunkt Fotoanimation


Maki Satake, Kurashi Ato (Vestige of Life), 2009
  • Vom Einzelbild zur Fotosequenz: Animationsfilme mit Fotos
  • Vertiefende Tagung, Retrospektive und mehrtägiger Workshop
  • Kuratorentrio: Gusztáv Hámos, Katja Pratschke und Thomas Tode

Dresden, 07.03.2016 – Fotografien sind unbewegte Dokumente der Zeit, Filme bewegte Einzelbilder – was passiert, wenn man die Statik der Fotografie mit der Bewegtheit des Mediums Film kombiniert? Damit beschäftigt sich einer der drei großen Programmschwerpunkte der 28. Festivalausgabe des FILMFEST DRESDEN. Im Rahmen dessen findet am 14. April eine themenvertiefende Tagung statt. Namhafte ReferentInnen wie Janie Geiser (USA), Suzanne Buchan (UK), Paul de Nooijer (Niederlande) oder Satake Maki (Japan) besprechen das fotografische Bild im kinematografischen Kontext mit Fokus auf die Fotoanimation. Begleitet wird diese theoretische Abhandlung von drei Filmprogrammen: Vermessung & Notation, Assemblage und japanische Fotoanimation sowie einem viertägigen Workshop mit der japanischen Filmemacherin und Fotokünstlerin Satake Maki. Für die Tagung und die Zusammenstellung der gezeigten Arbeiten zeichnen die Kuratoren Gusztáv Hámos , Katja Pratschke und Thomas Tode verantwortlich, die sich seit mehreren Jahren mit dem Phänomen Fotofilm beschäftigen.

Die Veranstaltungen zum Festivalschwerpunkt Fotoanimation richten sich an junge Animationskünstler, Fotokünstler, Graduierte und Studenten von Film- und Kunsthochschulen sowie an ein kunstinteressiertes Publikum und die interessierte Öffentlichkeit. Tagungsort ist der Aktsaal in der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden an der Brühlschen Terrasse, der Vorführort der Filmreihe ist das Kino Thalia Dresden. Der Eintritt zur Tagung ist frei. Für die Filmreihe gelten die üblichen Festivalpreise. Der Workshop ist eine geschlossene Veranstaltung für die zehn internationale Film- und Fotokünstler aus Ägypten, Deutschland, Italien, Kolumbien, Polen, Russland und Japan gewonnen werden konnten.

„Mit der Tagung und der Filmreihe wollen wir das Phänomen Fotoanimation anhand exemplarischer Arbeiten öffentlich präsentieren und in einem film- und medienhistorischen Kontext diskutieren“, so Katrin Küchler, eine der Festivalleiterinnen des FILMFEST DRESDEN. „Fotofilme bzw. Fotoanimationen changieren an der Grenze zwischen Stillstand und Bewegung, sind eine unweigerliche Reflexion des Einzelbildes als Ursprungsform des Films und eröffnen uns damit Möglichkeiten, Kino und Film anders zu denken.“

Vom Einzelbild zur Fotosequenz

Auf der Tagung setzen sich die KünstlerInnen und TheoretikerInnen mit dieser Ausdrucksform der Hybridform „Fotografie und Animation“ diskursiv auseinander, die in den letzten Jahren nicht zuletzt durch die Digitalisierung bildgebender Verfahren aktuell geworden ist. Fotoanimationen öffnen Räume zwischen den unbewegten Bildern.

Es wird vier Themenkomplexe geben, die den TeilnehmerInnen vorgestellt und gemeinsam mit ihnen diskutiert werden: Chronofotografie, Notationsverfahren, Assemblage sowie Stereofotografie und 3D. Die Chronofotografie geht auf die Anfänge der Fotografie zurück, die sich mit fotografischer Dokumentation von Bewegung oder Prozessen beschäftigt. Schnelle Abläufe, die für das Auge nicht fassbar waren, wurden chronofotografiert und machten beispielsweise schnelle Bewegungsabläufe detailliert sichtbar. Davon profitierte auch das Medium Film. Der Themenkomplex Notationsverfahren beschäftigt sich mit Animations- und Experimentalfilmen, die sich aus fotografischen Sequenzen zusammensetzen, die nach einem festgelegten Programm entstanden sind. Japanische Fotoanimationen, wie die der Workshopleiterin Satake Maki zählen dazu. Bei der Assemblage werden Fotografien, Zeichnungen oder Grafiken aus ihrem Kontext gelöst und neu zusammengefügt. So entstehen filmische Collagen. Der letzte der vier Themenkomplexe zeigt auf, wie man mit speziellen Montagetechniken fließende Bewegungen in Bildern generiert, die sich unendlich fortzusetzen scheinen.

Vermessung & Notation, Assemblage und japanische Fotoanimation

In der die Tagung begleitende Filmreihe erhält das interessierte Kunst- und Festivalpublikum einen Eindruck in die verschiedenen Techniken und Ausprägungen der Fotoanimation. Die gezeigten Filme werden in drei Programmen zusammengefasst.

Alle Filme, die im Programm „Vermessung und Notation“ laufen, bestehen aus fotografischen Sequenzen, die nach einem zuvor festgelegten Schema entstanden sind. Die Handlungsweisen arbeiten die Filme ab. Gezeigt werden unter anderem Takashi Ito – Spacy (JAP 1981), Paul de Nooijer – Transformation by holding Time (NL 1976) oder auch Katja Pratschke und Gusztáv Hámos – Cities (D 2012).

Unter „Assemblage“ werden filmische Collagen gezeigt, die aus bereits vorhandenem Material wie Fotos, Grafiken, Zeichnungen neu zusammengefügt werden. Gezeigt werden zum Beispiel Jürgen Böttcher – Die Venus von Giorgione (DDR 1981), Timo Schierhorn und Katharina Duve – Fratzengulasch (D 2011) sowie Janie Geiser – Arbor (USA 2012).

Die letzte Programmreihe beschäftigt sich speziell mit der japanischen Fotoanimation. Ausgangsmaterial der kurzen Filme sind Fotografien, aus denen künstlerisch kreativ neue Animations- bzw. Experimentalfilmen werden. Zu sehen sind beispielsweise Satake Maki – A Blink (JAP 2003), Kotaro Tanaka – Kaizer (JAP 2006) oder Shizuko Tabata – Point in Time (JAP 2013).

Das Kuratorentrio Gusztáv Hámos, Katja Pratschke und Thomas Tode

Gusztáv Hámos ist Künstler, Kurator und Autor. Er ist Vorreiter in der Exploration des Genres Fotofilm. Mit seinen Fotofilmen Fremdkörper (2002) und Rien ne va plus (2005) erlangte er international Anerkennung. Er ist Mitherausgeber der Publikation: Viva Fotofilm bewegt/unbewegt sowie Co-Kurator und Organisator der Filmreihe und Symposien VIVA FOTOFILM. Er lebt und arbeitet in Berlin.
http://www.potentialspace.de

Katja Pratschke ist Künstlerin, Kuratorin und Organisatorin der Filmreihe und Syposien zum Fotofilm gemeinsam mit Gusztáv Hámos und Thomas Tode. Sie ist Gründungsmitglied der Concrete Narrative Society e.V. Katja Pratschkes vielseitige künstlerische Praxis umfasst sowohl Fotografie, Film und Video als auch Installation.
http://www.potentialspace.de

Thomas Tode ist Autor, Filmemacher und Kurator. Er lehrt und forscht zu seinen künstlerischen Schwerpunkten Essayfilm, Sowjetfilm, politischer Dokumentarfilm und Avantgarde. Kurator von Filmretrospektiven, Ausstellungen, DVD-Editionen.

Einführende Filmbeispiele

Filmbeispiel zur Vermessung und Notation

Michiel van Bakel – Equestrian http://www.michielvanbakel.nl/2003/01/equestrian-2003/

Filmbeispiel Assemblage

Timo Schierhorn/ Katharina Duve – Fratzengulasch https://vimeo.com/26493015

Filmbeispiel Supernatural Illusion/ Japanische Fotoanimation

Kotaro Tanaka – Kaizer https://vimeo.com/862524

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